Sehr wandlungsfähig: Astrid Sacher in „Der zerbrochene Krug“
Wenn man die vier Tage mit weit über 20 Programmpunkten zusammenfassen soll, weiß man gar nicht, wo man beginnen soll. Vielleicht mit der Inszenierung von Kleists „Der zerbrochene Krug“ als Ein-Personenstück von und mit einer großartig spielenden Astrid Sacher. Eine Premiere, die vom Publikum trotz brütender Hitze in der Theaterscheune begeistert aufgenommen wurde. Regie führte Jürgen Flügge, für die Ausstattung – der überdimensionale Krug, der in Scherben zerfiel, war mehr als beeindruckend – zeichnete Kirsten „Kisa“ Sauer verantwortlich. Als Gerichtsrätin Walter, die dem Dorfrichter Adam auf die Finger schauen soll, stellte sich Sacher vor – und schlüpfte dann in die verschiedenen Rollen des berühmten Stückes. Das kam freilich nicht als Komödie daher wie so oft. Allein durch die Wandlungsfähigkeit der exzellenten Schauspielerin verließ der Klassiker die oberflächliche Ebene, ging viel tiefer, entlarvte das schändliche Treiben des Dorfrichters vom ersten Moment an, ließ tief blicken in die Seele des Staatsdieners, der Dreck am Stecken hat und dafür andere verurteilen möchte. Astrid Sacher spielte im roten Gewand, mit weiß geschminktem Gesicht und sparsamsten Requisiten – eine kleine Taschenlampe symbolisierte beispielsweise den Schreiber Licht. Der Clou aber war der verschiebbare Bauch des Dorfrichters – nach oben geschoben wurde er zur Oberweite der Frau Marthe Rull. Eine Idee, ebenso simpel wie genial.

Foto: Astrid Wagner
Astrid Sacher brillierte in Kleists „Der zerbrochene Krug“ mit einem Ein-Personen-Stück.
Am Ende des Stücks kommt, wie in Kleists erster Fassung, Eve zu Wort: „Ist es recht, dass mein Verlobter mir nicht vertraut, dass er mehr auf das vertraut, was er meint zu sehen, meint gehört zu haben, noch nicht mal nachfragt? (…) Ist es recht, dass Richter Adam keine Strafe bekommt für das, was er mir antat?“ Doch keiner hört wirklich zu. Nicht einmal die eigene Mutter, der geht es nur um den Ersatz des Kruges. Nachdenkliche Stille, dann tosender Applaus.